Kunsttherapie und Gestaltungstherapie sind verwandte Begriffe. Ähnlich gelagert sind auch die Ausbildungen mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten. Sowohl die Kunst als auch die Gestalt stehen im Mittelpunkt der Therapie.

In der Kunsttherapie wird vorwiegend mit künstlerischem Ausdruck gearbeitet. In der Gestaltungstherapie geht es vor allem um die Gestalt als Ergebnis des künstlerischen Prozesses. Beide Disziplinen ergänzen sich gewissermaßen und bilden so eine geschlossene Einheit.

Kunsttherapie ist ein therapeutischer Prozess, in dem sowohl künstlerische als auch kunsttherapeutische Selbsterfahrung im Mittelpunkt stehen.

Künstlerische Selbsterfahrung macht man gewissermaßen in jedem künstlerischen Prozess, indem man sich intensiv  mit sich selbst und seinem Werk auseinandersetzt.

Kunsttherapeutische Selbsterfahrung gelingt jedoch nur unter Anleitundg eines Kunsttherapeuten.

Es sind keine Vorkenntnisse notwendig, da es in erster Linie darum geht, sich selbst auszudrücken. Im Einzel- oder Gruppensetting wird dabei mit unterschiedlichsten Techniken und Materialien gearbeitet.

Die Kunsttherapie ist eine relativ junge therapeutische Disziplin und kommt aus dem Bereich der künstlerischen Therapien wie Musiktherapie oder Tanztherapie.

In der Kunsttherapie wird vorwiegend mit Medien der bildenen Kunst gearbeitet. Dazu zählen nicht nur zeichnerische und malerische Medien, sondern auch plastische und skulpturale  Gestaltungen  sowie fotografische Medien.

Ziel der Therapie ist es, dass der Klient unter therapeutischer Begleitung lernt, innere und äußere Bilder auszudrücken und seine kreativen Fähigkeiten zu entwickeln bzw. auszubauen.

 

 

 

Anwendungsbereiche

Die Kunsttherapie kann in klinischen, pädagogischen, heilpädagogischen sonderpädagogischen und sozialpädagogischen Bereichen ausgeübt werden: also in Krankenhäusern, Schulen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Gefängnissen, Altersheimen. oder auch in freier Praxis.

Neben der Arbeit mit Kindern , Jugendlichen und Erwachsenen ist die Kunsttherapie auch in der klinischen und ambulanten Praxis mit Krebspatienten etabliert.

Besondere Bedeutung hat sie dabei in der psychiatrischen, psychosomatischen und psychosozialen Therapiepraxis gewonnen.

Sie wird sowohl als Einzeltherapie als auch als Gruppentherapie angeboten.

Die Kunsttherapie ist in Europa unterschiedlich in der Gesundheitsversorgung verankert. In England ist sie bereits zu einem festen Besandteil in den klinischen Einrichtungen geworden. In Österreich läuft zur Zeit ein Verfahren zur Anerkennung der Kunsttherapie als eigenständiges Berufsbild im Gesundheitsbereich.

 

Was geschieht in einem kunsttherapeutischen Prozess

 

Der Künstler setzt die Energie, die aus einem Konflikt stammt, in kreative Tätigkeit um. Das bedeutet, dass Personen, die in ihrer emotionalen Entwicklung blockiert sind, durch den kreativen Prozess neue, positive Lösungswege finden können.

Innen sind sehr oft chaotische Gefühle und Impulse, aussen eine verwirrende Anzahl von Eindrücken. Im kreativen Prozess wird die innere und äußere Realität zu einer Einheit verschmolzen. Körper, Seele und Geist werden als Ganzheit betrachtet. Chaotische Gefühle und Impulse werden dabei ebenso in die Persönlichkeit integriert wie eine Überflutung von äußeren Eindrücken.

Der Prozess des künstlerischen Gestaltens ist eine Möglichkeit, Ordnung aus dem Chaos zu schaffen. Durch Bilder können wir leichter den Zugang zu unserem Unbewußten finden. Der kreative Prozess ermöglicht somit einen therapeutischen Prozess.

Ziel der Therapie ist es also, durch das Medium der Kunst positive Veränderungen in der Persönlichkeit und/oder im Lebensstil zu erarbeiten. Dadurch gelangen wir in weiterer Folge zu der Erkenntnis :

KUNST IST THERAPIE !!!!

 

Pädagogische und Heilpädagogische Ansätze in der Kunsttherapie 

In der Kunsttherapie wird mit bildnerischen Medien wie Farbe, Ton, Stein, Fotografie etc. gearbeitet, über die sich der Klient auszudrücken versucht.

Dabei geht es um die innereren Bilder, die jeder in sich trägt. Innere Bilder, die mit Krisensituationen oder traumatischen Erlebnissen verbunden sind, können psychische Störungen auslösen.

Es geht auch um den persönlichen Blick auf die Außenwelt und um die Entwicklung neuer Fähigkeiten und Handlungsspielräume und um die Entdeckung von Lösungsmöglichkeiten und Ressourcen.

Lösungsorientierte Konzepte spielen in der Kunsttherapie eine große Rolle. Lösungsorientierte Formen der Kunsttherapie blicken mehr auf die Fähigkeiten, die sich durch künstlerisches Gestalten entwickeln können. So bietet das bildnerische Gestalten auch die Möglichkeit, durch Bilder Geschichten zu erzählen, Stimmungen in Bildern auszudrücken und eine Gestalt zu verleihen oder die sinnliche Wirkung von ästhetischen Gestaltungen zu erleben.

Die Kunsttherapie kann somit der Entwicklungsförderung , der Selbstverwirklichung, der Förderung sozialer und kreativer Fähigkeiten und der Schulung der sinnlichen Wahrnehmung dienen.

Kinder haben noch einen spontanen Zugang zum kreativen Prozess.

Die kreative Auseinandersetzung mit bildnerischen Medien geht zurück auf das kindliche Spiel, das eine wesentliche Bedingung für die Entwicklung des Kindes ist. Ihren Ausdruck findet diese Entwicklung in der Kinderzeichnung, die verschiedene Stufen der kindlichen Entwicklung widerspiegelt.

Die kreative Beschäftigung des Kindes mit Objekten seiner Umwelt ist Voraussetzung für seine gesunde Entwicklung.

In Bezug auf pädagogische und heilpädagogische Ansätze in der Kunsttherapie wurden von H.G.Richter der Begriff "Pädagogische Kunsttherapie" und von Karl-Heinz Menzen der Begriff "Heilpädagogische Kunsttherapie" eingeführt.

Ziel der Therapie ist es, alle negative Energien, die an ungelöste Konflikte gebunden sind, mit Hilfe des künstlerischen Prozesses aufzulösen.

Gefühle dürfen keinesfalls unterdrückt oder verdrängt werden, sondern müssen integriert werden.

Gertraud Schottenloher, eine namhafte Kunstpsychotherapeutin, vermittelt in ihrem Buch "Kunst- und Gestaltungstherapie" zahlreiche Übungen, um die seelischen Verknotungen der Kinder und Jugendlichen zu lösen. Sie hat sich auf folgende Definition festgelegt:

"Einen Prozeß kann man dann therapeutisch nennen, wenn er wünschenswerte Veränderungen in der Persönlichkeit oder im Lebensstil ermöglicht oder unterstützt, die die Sitzungen überdauern."